Workshop: Stadt ermächtigen

 

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Mittwoch, 6. September 2017, 14 Uhr

Was bedeutet Teilhabe, Mitbestimmung und Mitgestalten im Fokus einer sich verändernden, wachsenden Stadt?

Der zweite Workshop im Rahmen des Festival STADTTFINDEN setzt sich mit Beteiligungsprozessen der Stadtgesellschaft auseinander und fokussiert Prozesse innerhalb der Stadt Leipzig. Dabei wird es um Veränderungen in der wachsenden Stadt gehen und wie die Akteur*innen damit umgehen. Im ersten Teil des Workshops werden Vertreter*innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen – Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft sowie Verwaltung – zum Thema Bürgerbeteiligung aus jeweils ihrer Perspektive referieren und über ihre konkreten Erfahrungen berichten. Im Anschluss an
die vier Inputvorträge möchten wir gemeinsam mit ihnen in Kleingruppenarbeit Modelle von bürgerschaftlicher Partizipation bei der (Weiter-) Entwicklung von Stadt und städtischen Räumen diskutieren. Neben Einblicken in bestehende Beteiligungsprozesse der Stadtentwicklung verfolgt der Workshop das Ziel, Vorschläge für die Teilnahme der Stadtgesellschaft bei der Entwicklung der Stadt Leipzig hervorzubringen.

Ablauf:

14:00 Eröffnung des Workshops durch die Organisator*innen Sandra Plessing und Manuel Emmelmann sowie die Moderatorin Anne Krämer.

14:30 BÜRGERBETEILIGUNG AUS SICHT DER BETROFFENEN
Lina Hurlin (Leipzig – Stadt für alle)

15:15 BÜRGERBETEILIGUNG AUS SICHT DER STADT LEIPZIG
Silvia Haas (Leipzig weiter denken, Stadt Leipzig)

16:15 BÜRGERBETEILIGUNG AUS SICHT EINES INVESTORS
Dr. Ingo Seidemann (S&G Development)

17:00 BÜRGERBETEILIGUNG AM PRAKTISCHEN BEISPIEL
Charles Emmerson, Jasper Goldman (Eigentümer Glasfabrik Leipzig)

18:00 – 19.00 Uhr Workshop in Kleingruppen und anschließende Talkrunde

19:30 Uhr Gemeinsames Abendessen (offen für alle)

Referent*innen:

Lina Hurlin ist Aktivistin aus Leipzig und beschäftigt sich mit Themen rund um die Forderung nach dem Recht auf Stadt für alle. Angefangen hat alles mit der Gründung eines Hausprojekts im Leipziger Osten nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats.Die Feststellung, dass ein Haus vom Markt zu nehmen nicht genug ist, führte zuerst da – zu, dass sie andere Projekte zu Themen Rechtsform und Finanzierung berät und in verschiedenen Prozessen unterstützt. Seit 2015 plant und arbeitet sie in der alten Feuerwache Ost in Leipzig, einem potenziellen Nachbarschaftszentrum, welches kleine Gewerbe, soziale und kulturelle Projekte unter einem Dach vereinen soll. Zudem ist sie Mitorganisatorin des Recht-auf-Stadt Forums, welches im April 2018 in Leipzig stattfinden wird. Lina Hurlin hat einen Abschluss in Afrikastudien und Politikwissenschaften und arbeitete zum Thema des sozialen Wohnungsbaus in Addis Adaba (Äthiopien).

Das Netzwerk Leipzig – Stadt für Alle hat sich nach ersten öffentlich bekannt gewordenen Fällen von Entmietungen in Leipzig 2012 gegründet. Das Netzwerk setzt sich für eine soziale und demokratische Stadtentwicklung ein. Stadt für alle bündelt Aktive aus der Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und solidarischen (organisierten) Wohnprojekten. Aktionsformen sind neben der Beratung und Unterstützung von durch Verdrängung Betroffener, die Erarbeitung und Veröffentlichung von Handlungsoptionen, die Organisation und Begleitung von Diskussionen sowie die Beobachtung der städtischen Politik und deren Beeinflussung durch eigene Positionen.

Die Geographin Silvia Haas war von 2003 bis 2010 Mitarbeiterin im Bereich Stadtentwicklung und Stadtmarketing im Büro PLANWERK Nürnberg und beriet, betreute und begleitete dort Kommunen bei der Umsetzung von Städtebauförderprogrammen. Seit 2011 ist sie Mitarbeiterin in der Abteilung Stadtentwicklungsplanung der Stadt Leipzig. Ab 2012 war Silvia Haas bei Aufbau, Konzeption und Umsetzung des Projektes »Leipzig weiter denken – auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt« beteiligt, welches sie 2013 weiterführte und ihre Erfahrungen zu Beteiligung auch bei weiteren Verfahren in der Stadtverwaltung einbrachte. Seit 2014 hat sie die Koordinierungsstelle für Bürgerbeteiligung unter der Dachmarke »Leipzig weiter denken« inne. Ihre Aufgabenfelder sind die Beratung und das Coaching innerhalb der Stadtverwaltung, Erprobung von »neuen« Verfahren und Auswertung der durchgeführten Projekte.

Leipzig weiter denken ist die Koordinierungsstelle für Bürgerbeteiligung der Stadt Leipzig. Über Beteiligungsveranstaltungen, Befragungen und Online-Dialoge versucht die Kommune seit mehreren Jahren eine Beteiligungskultur innerhalb der Stadt zu schaffen. Bürger*innen, Akteur*innen, Fachleute aus Politik und Wissenschaft sollen durch diese Plattform an Veränderungsprozessen und damit an einer nachhaltigen Stadtentwicklung beteiligt werden.

Dr. Ingo Seidemann, Geschäftsführer S&G Development GmbH und studierte und promovierte an der Bauhaus Universität Weimar. Nach Vorstands- und Geschäftsführer-tätigkeit in großen mittelständischen Technologie und Bauunternehmen arbeitete er ab 1996 als Gesellschafter und Geschäftsführer der Dr. Seidemann & Co. Projektentwicklung GmbH und ist seit 2014 Geschäftsführer des Projektentwicklers S&G Development GmbH aus Leipzig sowie von projekttragenden Investitions-Gesellschaften. Seine Aufgaben-schwerpunkte sind die Steuerung komplexer planungs- und baurechtlicher Projektentwicklungsprozesse sowie Projektconsulting für private und öffentliche Vorhabensträger mit Schwerpunkt Gewerbeimmobilien.

Dr. Ingo Seidemann zeigt an drei Beispielen, wie Bürgerbeteiligung funktioniert. Für den REWE-Markt auf der Löbauer Straße initiierte er einen Fassadenwettbewerb – mit Erfolg. Bei der Reaktivierung des Felsenkellers gab es um die Umfeldgestaltung und dem Neubaubereich Aufregung und Dissens. Eine frühere Einbeziehung und Information der Leipziger und Leipzigerinnen hätte Sinn gemacht. Allerdings war das Vorgehen Einzelner gegen das Projekt wohl auch von Partikularinteressen getrieben. Bei dem aktuellen Projekt, dem Bau eines Busterminals sowie eines Hotelkomplexes am Hauptbahnhof, arbeitet der Projektentwickler eng mit der Stadt Leipzig zusammen, es fand außerdem ein europaweiter Architektenwettbewerb statt.

Jasper Goldman, geboren in London, ist Stadtplaner, Historiker und Filmemacher mit Hauptsitz in New York. Er arbeitete mehrere Jahre bei der NYC-basierten Non-Profitorganisation Municipal Art Society und hat Dokumentationen über Peking, New Yorks Waterfront und das Hudson Valley gedreht. Jasper Goldman ist einer der Gründer von „Friends of Havana“, einem non-profit Projekt zur Unterstützung kubanischer Stadtplaner*innen, das Anfang des Jahres gemeinsam mit dem „Office of the Historian of the City of Havana” und über 40 internationalen Expert*innen das Symposium “Hablemos de La Habana“ zur Zukunft Havannas veranstaltete. Jaspers Familie stammt ursprünglich aus Leipzig. Sein Urgroßvater musste 1938 die Stadt verlassen und wanderte nach England aus. Im Jahr 2014 kam Jasper Goldman zum ersten Mal nach Leipzig.

Der Historiker Charles Emmerson lebt und arbeitet in London und hat eine Leidenschaft für Geschichte und Städte.

Charles Emmerson und Jasper Goldman, sind die Eigentümer der Glasfabrik Leipzig.

Moderation:

Die Moderatorin Anne Krämer lebt in Wien und Leipzig. Seit ihrem Studium der Raumplanung an der Universität Kaiserslautern ist sie freiberuflich tätig mit einem Schwerpunkt auf Konzeptentwicklung im öffentlichen Dialog. Sie konzipiert und moderiert Beteiligungsverfahren zu Themen der Stadtentwicklung sowie zu konkreten Planungsvorhaben.

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ENGLISH VERSION

WORKSHOP: EMPOWER THE CITY – DEVELOPING LEIPZIG IN THE INTEREST OF ITS RESIDENTS

Wednesday, 06.09.2017, 14:00

This workshop deals with participation processes in the community with particular focus on the city of Leipzig. Actors from different branches of society – private economy, civil society, politics – have been invited to discuss a common model of civic participation in the (further) development of the city and urban environment. Alongside insights into existing participation processes related to urban development, the workshop aims to yield suggestions for the participation of the community in the development of the city of Leipzig, and more specifically, of the Glasfabrik.

14:00 Opening and welcome speach
(Sandra Plessing and Manuel Emmelmann, Team Festival STADTTFINDEN)

14:30 CIVIC PARTICIPATION FROM THE PERSPECTIVE OF THOSE AFFECTED
Lina Hurlin (Leipzig – Stadt für alle)

15:15 CIVIC PATICIPATION FROM THE PERSPECTIVE OF THE CITY OF LEIPZIG
Silvia Haas (Leipzig weiter denken, City of Leipzig)

16:15 CIVIC PARTICIPATION FROM THE PERSPECTIVE OF AN INVESTOR
Dr. Ingo Seidemann (S&G Development)

17:00 A PRACTICAL EXAMPLE OF CIVIC PARTICIPATION
Charles Emmerson, Jasper Goldman (Owners of the Glasfabrik, Leipzig)

18:00 Group work and discussion of the results

19:30 DINNER + DRINKS