Experiment und Utopie

Festival STADTTFINDEN beschäftigt sich mit Themen der wachsenden Stadt

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// Städte in Veränderung
Veränderung produziert Gefühle: Angst und Wut, aber auch Freude, Nostalgie und Neugier. Veränderungen sind niemals nur gut oder nur schlecht. Sie fordern heraus und stellen Identitäten in Frage. Leipzig ist eine Stadt in Transformation: Die Stadt, die bundesweit am schnellsten wächst und die eine landesweit kaum vergleichbare Entwicklung von extremer Schrumpfung hin zu extremem Wachstum erfährt. Hier werden Chancen und Risiken der sich verdichtenden Stadt erfahrbar: Lang vernachlässigter Freiraum schwindet, Verdrängungen finden statt, andere Infrastrukturen werden gestärkt und bereichern den urbanen Kulturraum – eine vielerorts zu beobachtende, stets kontroverse Entwicklung.

// Glasfabrik
Die Glasfabrik Leipzig ist ein Ort, an dem die Veränderung, die Leipzig insgesamt erfährt,  zum Ausdruck kommt. Von der gründerzeitlichen Maschinenfabrik über den Volkseigenen Betrieb zum langjährigen Leerstand nach der Wende hat sich darin exemplarisch ostdeutsche Industriegeschichte und deren Auswirkung auf Mensch und Raum eingeschrieben. Mit der Belebung vieler Stadtteile Leipzigs rückt der Ort im Stadtteil Leutzsch nun von der jahrzehntelangen Randlage wieder näher an das Zentrum städtischer Wahrnehmung.

Initiiert von einem Bündnis der neuen Eigentümer mit Kulturschaffenden soll sich hier ein gemeinschaftlich genutzter Standort entwickeln, der auf vielfältige Weise künstlerische wie wissenschaftliche Aktivitäten ermöglicht. Das Glasfabrik Projekt soll einen Ort des Diskurses innerhalb der Themen Urbanismus, nachhaltige Stadtentwicklung, Kunst und Ökologie schaffen – auf theoretischer sowie praktischer Ebene. Während die Vernetzung mit lokalen Initiativen und stadträumlicher Umgebung gesucht wird, beschränken sich die Projektaktivitäten nicht auf eine regionale Perspektive, sondern bearbeiten durch Integration und in der Zusammenarbeit mit einem internationalen Netzwerk von Expert*innen, Aktivist*innen und Institutionen globale Fragestellungen. Darüber hinaus soll die Fabrik aber auch ein Ort des Experiments sein, an dem Transformationsprozesse begleitet und kritisch hinterfragt werden.

// Festival STADTTFINDEN
Das Festival STADTTFINDEN erprobt in der ersten Septemberwoche das Konzept interdisziplinären, kooperativen und experimentellen Arbeitens im thematischen Spannungsfeld der wachsenden Stadt. Dabei wird das Festival verschiedene Methoden erproben und Räume der Auseinandersetzung öffnen – neben künstlerischen Interventionen und theoretischen Auseinandersetzungen sollen Positionen in fachübergreifender Zusammenarbeit entwickelt werden.

// LAB
Mittels eines Open Calls wurden Teilnehmer*innen gesucht, die in interdisziplinär aufgestellten Teams aus Designer*innen, Architekt*innen, Künstler*innen und im weitesten Sinne Interessierten der und um die Glasfabrik herum Interventionen erarbeiten. Neben der praktischen Arbeit im LAB nehmen sie an Workshops mit Expert*innen aus den Bereichen Architektur und Stadtplanung teil.

// Workshops und Vorträge
Den Raum der diskursiven Auseinandersetzung bilden Beiträge lokaler wie internationaler Referenten, Workshops und kulturelle Events. Themen sind unter anderem: Konzepte ko-produktiver Stadtgestaltung und die Stadt als Organismus. Dazu kommen Input-Vorträge lokaler wie internationaler Akteure, etwa zu jüngsten Stadtwachstumsprozessen in Leipzig, die mit Wachstumsprozessen in anderen deutschen und internationalen Städten abgeglichen werden. Auch wird der Frage nachgegangen, wie öffentlicher Raum durch seine Nutzer*innen definiert wird und wer in ihm (un-)sichtbar und (un-)willkommen ist.

Ziel ist es, mit der Stadtgesellschaft (seien sie aus der Nachbarschaft oder aus anderen Leipziger Stadtvierteln oder auch aus ganz anderen Orten) über den Wandlungsprozess Leipzigs, des Viertels und der Glasfabrik selbst ins Gespräch zu kommen und an ihren Prozessen teilhaben zu lassen. Besucher*innen, Expert*innen wie auch Akteure sind ausdrücklich eingeladen, an den öffentlichen Workshops und Podiumsdiskussionen teilzuhaben.

Das Festival findet auf einem ehemaligen Fabrikgelände statt, das in den kommenden Jahren wiederbelebt werden soll. STADTTFINDEN bildet so den inhaltlichen Auftakt zur langfristigen Entwicklung der Glasfabrik.

// Organisatoren
D21 Kunstraum Leipzig in Kooperation mit OCTAGON e.V.

Der D21 Kunstraum Leipzig organisiert seit 2006 Ausstellungen zeitgenössischer Kunst mit internationalen Künstler*innen. Dabei vertritt er häufig interdisziplinäre Ansätze, die Themen kritisch hinterfragen.

OCTAGON e.V. – Raum für Architektur und Urbanes dient seit 2014 der Auseinandersetzung mit sozialräumlich gebauter Umwelt. Verschiedene Formate wie Ausstellung und Publikation bilden die Grundlage für Vermittlung und Dialog in Leipzig.

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ENGLISH VERSION

// Cities in transition
Change triggers emotion: anxiety and anger, as well as joy, nostalgia and curiosity. Change is never merely good or bad – it challenges and questions constructs of identity. Leipzig is undergoing a process of transformation: as the fastest-growing city in Germany, it has experienced incomparable development from extreme shrinkage to extreme expansion. It provides a tangible example of the opportunities and risks inherent in the densification of cities: long-neglected sites disappear, people become displaced and other infrastructure is built out, enriching the urban cultural environment – a contemporary phenomenon, often seen, always controversial.

// Glasfabrik
The change process currently underway is also manifesting itself on the former industrial site of the Glasfabrik Leipzig. From Wilhelminian era factory to publicly owned operation (VEB) to decades of vacancy after the reunification of Germany, its East German industrial history and the impact of such on occupant and space, has left its mark on the site. Within the context of current developments in Leipzig, the western borough of Leutzsch is again shifting into focus.

Initiated by an alliance between its new owners and local cultural practitioners, a venue for artistic and scientific activity is currently being created. The Glasfabrik Project will become a place of debate around the issues of urbanism, sustainable city development, art and ecology, on both theoretical and practical levels. While it will strive to connect to local initiatives and the local urban environs, the activities taking place at the Glasfabrik will also look further afield to integrate, communicate and cooperate with an international network of experts, activists, institutions, etc. It will further be a place of experimentation, in which transformation processes are tracked and critically examined.

// Festival STADTTFINDEN
Over a 10-day period this September, the festival STADTTFINDEN will test the concept of interdisciplinary, cooperative and experimental work within the field of the expanding city. Artistic interventions und theoretical discourse will generate results that are only possible through interdisciplinary collaboration.

// LAB
By means of an Open Call the STADTTFINDEN festival is looking for interdisciplinary teams, who are working on the phenomenon of the expanding city and who would like to implement a project in the Glasfabrik. Architects, sociologists, artists, geographers, urbanists, choreographers, musicians, performers and others, are all welcome to advance their own project ideas through collaboration with others. Their practical work will be complemented by workshops with experts in the fields of architecture and urban planning.

// Workshops and Lectures
Contributions from local as well as international speakers, workshops and cultural events will deliver the basis for a discourse. Concepts of co-production in city planning as well as the understanding of the city as an organism will be discussed. Local and international stakeholders will provide input regarding the latest growth process in Leipzig compared
to growth processes in other German and international cities. The question how urban public space is de!ned by its users and who is (un-)welcome and/or (in-)visible will be addressed.

The aim of the festival is to strike up a conversation with people concerning the transformation process currently underway in Leipzig, the neighbourhood and also the place of the Glasfabrik itself; people from the local environs of the Glasfabrik as well as from other districts in Leipzig and from other places. Visitors, experts and other stakeholders are welcome to participate in the workshops and panel discussions.

The festival will take place on the former industrial site of the Glasfabrik Leipzig which will be revamped in the coming years. Accordingly, the STADTTFINDEN festival will serve as a prelude to the long-term development of the Glasfabrik.

// Organisation
The organizer of the festival is D21 Art Space Leipzig, a non-institutional project-based space and network, and Octagon e.V. – Raum für Architektur und Urbanes, platform for architectural mediation in Leipzig.

Since 2006, the D21 Art Space Leipzig has organised temporary art exhibitions with international artists. At it, interdisciplinary approaches questioning society matters are regular parts.

OCTAGON e.V. – Raum für Architektur und Urbanes, founded in 2014, focuses on the debate on social aspects of the built environment. Exhibitions and lectures form the basis to encourage a dialogue in Leipzig.

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